
Die Säulen, von denen eine gute Beziehung getragen wird, sind Wertschätzung, Respekt, Verbindlichkeit, Vertrauen und Freundlichkeit. Die zerstörenden Faktoren für jegliche Beziehung sind unablässige Kritik, Verachtung, dauernde Rechtfertigung und Mauern. Der Beziehungsforscher und Paartherapeut John Gottman nennt dies die 4 apokalyptischen Reiter in einer Beziehung.
Wir kennen wahrscheinlich – leider – alle die Auswirkungen von zumindest einem der genannten Reiter und wissen, wie sich das anfühlt, was es mit Vertrauen, Sicherheit und gutem Gefühl macht, egal ob in privaten/persönlichen oder beruflichen Beziehungen. Wie können wir da gegensteuern? Es gar nicht so weit kommen lassen?
Für das Gelingen einer Beziehung brauchen wir Rituale der Pflege und wie jeder menschliche Körper braucht auch ein Paarkörper, ein Teamkörper, ein Lehrkörper usw. ein gesundes Ernährungsmodell. „Micromoments of Positivity“ oder „Acts of Kindness“ nennt das die Psychologin Barbara Fredrickson, die die Wirkung von positiven Emotionen erforscht. Sie vergleicht diese Emotionen z.B. Freude, Dankbarkeit, Vergnügen, Interesse, Stolz usw. mit Vitaminen für den psychischen Körper und beschreibt einen maßgeblichen und nachhaltigen Einfluss auf unser individuelles und gemeinsames Wohlbefinden.
Es sind die kleinen freundlichen und liebevollen Gesten die zählen und uns gut ernähren. Sie stellen diese positive Atmosphäre her, die dann auch eine Kritik, einen Konflikt und eine genervte Stimmung gut regulierbar machen und Versöhnung ermöglichen. Dieses Verhältnis von positiven zu negativen Emotionen, von liebevollen zu kritischen Rückmeldungen sollte mindestens 3:1 sein, dann entsteht dieses grundlegende Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit.
Vertrautheit unterscheidet sich von Vertrauen in Beziehungen dadurch, als es bei Vertrautheit immer um Resonanzen zwischen Personen (Tieren und der Umwelt) geht. Der Neurobiologe Joachim Bauer spricht in „Wie wir werden wer wir sind“ davon, dass die stärkste Droge für einen Menschen der andere Mensch ist. Wenn wir über Resonanzen und Resonanzphänomene weiter nachdenken, kommen wir unweigerlich zu einem Gefühl von getragener Vertrautheit. In sogenannten „guten Beziehungen“ hat dieses Gefühl eine grundlegende Bedeutung und „erwärmt unser Herz“, nährt Zuversicht und Optimismus in jeder Form menschlicher Gemeinschaft.
Wenn wir nun gute und gelingende Beziehungen nachhaltig und dauerhaft gestalten wollen, dann gilt es verbindlich zu sein. Für die Philosophin Vivian Dittmar sind Verbindlichkeiten die unverzichtbaren „Fäden“ im Netzwerk Beziehung und geben Halt, Geborgenheit und Sicherheit. Zunehmend sehnen wir uns nach Verbindungen und scheuen uns aber oft vor Verbindlichkeiten. Wir alle wissen, der Mensch ist ein soziales Wesen und abhängig von anderen, wenn es um Wohlergehen, Zufriedenheit und psychisches Wachstum geht. Auch wissen wir von den Auswirkungen von Einsamkeit nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf das Immunsystem und die Dauer der Rekonvaleszenz nach Erkrankungen.
Es gilt verlässlich füreinander da zu sein, in guten Zeiten diesen „Beziehungswohlstand“ (V. Dittmar) gegenseitig zu schätzen und nicht im Selbstverständnis des Gewohnten zu versinken, aus dem sich dann eine Stimmung der Unzufriedenheit entwickelt. Die Kraft der Dankbarkeit, dass wir einander haben und füreinander da sind, ist die Nährquelle für Zufriedenheit in der Gegenwart und ermöglicht einen zuversichtlichen Blick in die gemeinsame Zukunft.