trotz:dem – ein Aufruf zur Zuversicht

Aktuell machen mir die Geschehnisse in der Welt zu schaffen. Keine leichte Kost, die wir da zu verdauen haben. Ich denke, wir wissen auch ohne Aufzählung, worum es geht. In dieser unglaublich hohen Komplexität und vor allem in dieser großen Ambivalenz haben Entwicklungen in den letzten Jahrzehnten, wenn nicht sogar in den letzten Jahrhunderten, nicht stattgefunden.

Was tun?

Verzweifeln? Ja bitte, immer wieder.
Angst haben? Ja, auch das.
Aufgeben wollen? Nachvollziehbar.

Das sind Gefühlszustände und Reaktionen, die wir in solchen Zeiten aus neurowissenschaftlicher Sicht als passend betrachten dürfen. Es ist sogar wichtig, sie zu benennen, sagt Daniel Siegel, einer der weltweit führenden Neurowissenschaftler – „name it to tame it“ benennt er diese Formel, „benenne es, um es zu zähmen“. Das Benennen ist der erste Schritt für Entwicklung. In diesen Emotionen lange zu verweilen, ist allerdings von der evolutionären Erfahrung her nicht empfehlenswert. Das führt zu anhaltender Resignation und Schritt für Schritt zur Sinnentleerung und zur Depression.

Was tun?

„Weitermachen“ lautet die Lösung – trotz:dem. Wir haben schlussendlich keine Wahl. Zuversicht ist Pflicht. In der Not wird Zuversicht zur Notwendigkeit. Sie ist das Mittel, um die Not zu wenden. Zuversicht entsteht vor allem dann, wenn wir Gemeinschaft erleben, wenn wir Vertrauen zueinander empfinden, wenn wir unsere Wünsche und Träume für die Zukunft beschreiben. Von seinem Traum hat schon einmal ein ganz Großer der Menschheitsgeschichte gesprochen und vieles damit erreicht: „I have a dream“ …

„Es gibt Hoffnungen, die erscheinen verrückt, aber sie sind es nicht. Die verrückten Hoffnungen sind nämlich oft gerade diejenigen Hoffnungen, die helfen, nicht verrückt zu werden.“ (Heribert Prantl)

Oft sprechen wir davon, dass wir Angst davor haben, was da in Zukunft auf uns zukommt. Nichts kann aus der Zukunft auf uns zukommen, weil es die Zukunft nicht gibt. Wir gehen in die Zukunft, vor allem gestalten wir unsere Zukunft. Zukunft entspringt aus unserer Vorstellungskraft. In der Gegenwart reagieren wir auf die Vorstellung unserer Zukunft, und wir formulieren aktuell fast ausschließlich Dystopien und prognostizieren den Untergang. Nachvollziehbar, dass wir gegenwärtig immer wieder den Sinn für unser Tun verlieren.

Aus dieser Not heraus entstehen jedoch Wendungen, Übergänge und entwickeln sich zu Neuem, zu Lösungen. Immer schon. Vor allem die Natur zeigt uns das vor. Deshalb ist der Bezug zur Natur eine der ergiebigsten Hoffnungsquellen. Wir sind Teil der Natur. Was in der Menschheitsgeschichte an Herausforderungen bewältigt wurde, wurde immer in Gemeinschaften bewältigt. Ungewissheit lässt sich gemeinsam besser bewältigen. Deshalb sind unterstützende Beziehungsnetzwerke eine Notwendigkeit für Zuversicht. Gemeinsam sehen wir die Situation vollständiger und finden leichter Lösungen – und vor allem finden wir darin den Sinn unseres Tuns.

Es lohnt sich auch, immer wieder den Blick in die Vergangenheit zu richten, mit der Fragestellung, was wir denn schon geschafft haben, und vor allem mit welchen Mitteln, Kompetenzen und Ressourcen. Bezogen auf diese Erfahrungen des bisher Erreichten macht das Weitermachen Sinn.

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